Flamencofestival in Andalusien
Donnerstag 4. September 2008 von admin
Zum Flamenco-Festival nach Andalusien
Wie wäre es mal mit einem Kurztrip ins südspanische Jerez de la Frontera zur Zeit des jährlichen Flamenco-Festivals Ende Februar? Nach zweieinhalb Flugstunden von Frankfurt/ Hahn mit Ryanair landen wir um 18 Uhr 30 in Jerez: Es ist sonnig-hell, Jacken sind überflüssig. Zu dieser Jahreszeit stehen die Felder in saftigem Grün. Gerüche drängen sich in die Nase: gebratener Kalamari, Orangenblüten, beherzt singende Vögel. Eine hilfsbereite ältere Dame zeigt uns den Weg zu unserem Altstadthotel. Umziehen, Internet-Bon gegen Ausweisvorlage gegen die bestellten Karten eintauschen – und eintauchen in die Nachtwelt des Flamenco. Rund um uns hören wir Französisch, Deutsch, Italienisch, Finnisch, Türkisch, Japanisch. Unglaublich, wie viele Flamencofans sich hierher ins Art-Deco-Theater Villamarta aufgemacht haben, um die Weltstars des Flamenco live zu erleben. Für 15 bis 20 Euro genießen wir vom weiten Rang noch einen recht guten Blick.
Die Abendluft im Freien ist weich, wenn auch gegen Mitternacht etwas frischer. Viele ‚unverfrorene‘ Japanerinnen halten es gut im Freien vor den Tapas-Bars aus, für die Jerez berühmt ist. Als Tapas (Häppchen), halbe oder ganze Portionen kann man in einem guten Lokal um die 50 verschiedene gekochte oder eingelegte Minigerichte verzehren: „iberische“ Kartoffeln mit Speck, gebackene Artischocken, Bratfischbällchen oder einfach Manchego-Käse mit Oliven. Genau das Richtige für einen Mitternachtsimbiss mit Fino, dem trockenen weißen Sherry oder einem herzhaften Cruzcampo-Bier.
Jerez ist eine nach außen verschlossen wirkende Stadt, deren wahre Perlen sich im Inneren zeigen: dem Flamenco-Institut, dem Stierkampfmuseum, der andalusischen Reitschule oder den versteckten Penas, Kneipen, in denen man mit etwas Glück zu fortgeschrittener Stunde Flamenco erleben kann. Das Geschäftszentrum ist abends recht ausgestorben.
Weitaus offener präsentiert sich da Cádiz, nur eine gute halbe Stunde mit dem nagelneuen Regionalzug entfernt. Eine komplett erhaltene Altstadt aus Barockfassaden, offen stehende Doppelfenster über schnurgeraden Gassen, in den Fenstergittern liebevoll dekortierte Blumentöpfe. Auch wenn die Immobilienpreise mittlerweile nicht mehr bezahlbar sind, wohnen doch einige alte Leute noch in den Häusern. Neben renovierten Stadtpalästen und versteckten Klöstern bröckelt manch ehemaliger Prachtpalast vor sich hin. Durch den achteckigen Grundriss der Altstadt ist man am Ende einer langen schmalen Gasse immer wieder überrascht, auf einen der hübschen Plätze zu stoßen, wo sich der cafè cortado (Espresso) so königlich in der Sonne genießen lässt. Beispielsweise an der Plaza San Juan de Diós mit direktem Blick auf die Fähren im Hafen, die von hier auf die Kanaren oder nach Übersee aufbrechen.
Stimmungsvolle Sonnenuntergänge kann man auf der langen Mole zur Stadtfestung genießen. Wie von einem Schiff blickt man zurück auf die salzzerfressene Stadt mitten im Meer in ihrem silbernen Licht, das der ganzen Küste den Namen Costa de la Luz eingetragen hat. Vom Bahnhof Jerez im Mudéjar-Stil nehmen wir den Stadtbus zum Flughafen.Mit einem Hauch frischen Sonnenbrandes, die Geschmacksknospen verwöhnt von Tapas und feinen Spirituosen, die Erinnerung voll wunderbarer Flamencokunst, fühlen wir uns stark genug für den Heimweg.
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